Mittwoch, 14. Dezember 2011

Die schrägen Ideen der Boston Consulting Group

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Wirtschaftskrisen werden bekanntlich mit Hochzinspolitik verursacht. Das geht auch ganz gut, ohne die Notenbanken mit Zinserhöhungen zu bemühen, wie man an den Zinsen für Griechenland sehen kann.

Der unter anderem von unserer bunten Kanzlerin Merkel propagierte Vorschlag einer Beteiligung der Gläubiger an einem Schuldenschnitt Griechenlands hat die Zinsen für griechische Anleihen gleich durch die Decke gejagt. Merkel hat diesen saudummen Vorschlag selbstverständlich nicht zum Wohl der Griechen gemacht, schon gar nicht zum Wohl der Deutschen, sondern im Interesse ihrer transatlantischen Freunde und Auftraggeber. Diese wurden dann mit der Beteiligung des IMF an den europäischen Rettungsaktionen auch noch direkt an die Fleischtöpfe gelassen. Zur Zeit kursiert die lustige Idee, dass die EZB oder die Landeszentralbanken dem IMF Geld leihen könnten, damit der das dann als Kredit an Eurostaaten weitergibt.

Nun aber zu den vergifteten Ideen der Boston Consulting Group, die soeben in einem Papier ihrer führenden Figuren David Rhodes und Daniel Stelter publiziert wurden. Die wollen möglichst schnell einen Schuldenschnitt für alle Eurostaaten, natürlich nur, um uns arme Europäer von der Schuldenlast möglichst schnell zu befreien, wie sie behaupten. Um das ehrlich zu meinen, müssten die beiden sich allerding längst einer Hirnamputation in einem Spital der City of London unterzogen haben.

Nach ihrer Idee (pdf, S. 6) sollten selbst deutsche Anleihen einem Haircut von 18 Prozent unterzogen werden, die Anleihen anderer Staaten entsprechend höher, also zum Beispiel sollten die Eigentümer von Anleihen Italiens gleich einmal 47 Prozent der Anleihesumme abschreiben. Auch die Anleihen von Unternehmen sollten an dem Haircut beteiligt werden, angeführt werden die portugiesischen Unternehmensanleihen mit einem Verlust von 57 Prozent (pdf, S. 7). Nach den Autoren des Papiers sollte mit diesen Haircuts der sofortige Ruin der Eurostaaten und ihrer Wirtschaft eine Reduzierung der Verschuldung von Staaten und Unternehmen im Euro-Raum auf zusammen nur noch 180 Prozent ihrer jährlichen Wirtschaftsleistung erreicht werden.

Dabei müssten 6000 Milliarden Euro abgeschrieben werden. Allein die Erörterung dieser Idee könnte morgen schon die Zinsen für alle Staaten und alle Unternehmen des Euroraumes durch die Decke jagen, wie wir es im Fall Griechenlands schon erlebt haben. Der damit verbundene Zusammenbruch der Wirtschaft würde dann viel höhere "Haircuts" erforderlich machen, wenn man dabei auf 180 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung kommen wollte, was die Zinsen für die Anleihen der Eurostaaten und ihrer Unternehmen endgültig explodieren ließe und eine gewaltige Kapitalflucht aus dem Euro in den Dollar und das britische Pfund in Gang setzen würde.

Den Bürgern würde zuletzt von den gleichgeschalteten Massenmedien eingeredet, dass alles nur die Folge der sträflichen Schuldenmacherei der Eurostaaten und ihrer Bürger und Unternehmen wäre, die halt alle "über ihre Verhältnisse gelebt" hätten, wie der saudumme Spruch bei unseren reaktionären Deppen immer lautet.

Die Haircuts würden selbstverständlich das Eigenkapital des Bankensektors völlig ausradieren und die Anlagen der Versicherungen schwer schädigen, so dass diese Verluste vom ESFS gleich wieder ausgeglichen werden sollten. Die Eurostaaten würden also wieder Geld brauchen, um den Haircut zu refinanzieren. Dieses Geld soll nach den Vorschlägen durch eine Vermögensabgabe (auf Finanzanlagen und Immobilien) ab 100.000 € hereinkommen. Dabei sollten die Steuerzahler Deutschlands, Frankreichs und der Niederlande für die anderen Eurostaaten mitbezahlen, so dass die Belastung der Vermögen überall vielleicht 25% (über mehrere Jahre gestreckt durch Steuern eingezogen und bis dahin durch neue Schulden finanziert?) ausmachen würde. Lustige Ideen auf jeder Seite des Papiers.

Der Währungskrieg der USA und der City of London gegen die Eurostaaten geht nun mit unverminderter Härte weiter. Die Studie enthält zwar ähnliche Vorschläge auch für die USA, aber lassen wir uns davon nicht täuschen - das ist wie mit der angeblichen Klimakatastrophe: Nur wir in Kontinentaleuropa sind dann so dumm, die ganzen Wahnsinnsideen wie geplant umzusetzen. Die USA machen das halt nicht, sondern inflationieren ihre Schulden weg zu Lasten ihrer Gläubiger in Europa, Japan und China.

Das Papier hat den sinnigen Titel Back to Mesopotamia.

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1 Kommentare:

  1. "schon gar nicht zum Wohl der Deutschen"
    Kurzfristig schon, da die Zinsen für deutsche Staatsanleihen sogar negativ sind. Langfristig natürlich nicht da wir die Krisenkosten aufgebürdet kriegen.

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