Dienstag, 22. November 2011

Gedenkminute im Bundestag zu den Dönermorden

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Was da den Politikern bei der Gedenkminute wohl so durch den Kopf gegangen sein mag?

Vielleicht die schwere Differenz zwischen der aktuellen Version von den Verbrechen und dem, was noch vor drei Monaten als Stand der Ermittlungen galt? Bundestagspräsident Lammert heute:

Er entschuldigte sich auch ausdrücklich für Verdächtigungen und Anfeindungen, die sich gegen die Familien der Opfer gerichtet hatten. Jahrelang hatten Ermittler vermutet, die Morde an Migranten hätten Schutzgelderpressung als Hintergrund.
ZEIT-Online

Vor drei Monaten las sich der Stand der Ermittlungen in der Systempresse noch ganz anders. Das alles sauber belegt mit vielen Details:

Neun Kleinhändler, acht Türken und ein Grieche, waren von 2000 bis 2006 in ihren Läden am helllichten Tag durch Schüsse ins Gesicht ermordet worden...

Seither jagen Dutzende Polizisten und Staatsanwälte Täter und Waffe, Verfassungsschützer versuchen, die mafiöse Organisation türkischer Nationalisten in Deutschland zu durchdringen, die für das Blutvergießen verantwortlich sein soll. Die Morde, so viel wissen die Ermittler, sind die Rechnung für Schulden aus kriminellen Geschäften oder die Rache an Abtrünnigen.
SPIEGEL am 22.08.2011

Seien wir bloß froh, dass wir nicht im Bundestag sitzen und jeden Tag den von oben verordneten Zirkus mitmachen müssen. Das Schmerzensgeld für die Abgeordneten ist zwar üppig, aber jeder anständige Mensch würde darauf verzichten, um diesem credo quia absurdum zu entkommen.

Dazu noch diese Meldung:

Die beiden Neonazis Böhnhardt und Mundlos sollen mit zwei Schüssen Selbstmord begangen haben. Doch Anwohner wollen nun keine Schüsse gehört haben.
Zweifel an Selbstmord von Böhnhardt und Mundlos

Die Anwohner haben keine Schüsse gehört, aber das Feuer im Wohnmobil bemerkt. Sie waren also nicht einfach unaufmerksam oder völlig abgelenkt.

Das hält ja keine Sau aus! Da stimmt doch überhaupt nichts.

Zu der vermuteten Verwicklung einer geheimen Organisation der Türkei und warum für die Mordserie plötzlich eine ganz andere Geschichte der Öffentlichkeit präsentiert werden musste:

Hier wurde einem die türkische Politik möglicherweise höchst kompromittierenden Fall mit einem Schlag eine überraschende Wendung gegeben, gegen die sich Deutschland aus historischen (Tatprofil Neonazismus) und politischen (Helfer Verfassungsschützer) Gründen nicht wehren kann.

Sollte die Kripo nachträglich Dokumente präsentieren, welche eine Bosporus-Connection belegen, würde das als zweifacher Verdunkelungsversuch erscheinen, und schon a priori nicht geglaubt werden, da ja die entsprechenden „Beweise“ vom ersten Moment des mutmaßlichen Doppelselbstmords an vorlagen.
Dorian Grey

Könnte doch sein und alles wäre jetzt ganz logisch, oder?

"Abdullah Çatli ist unser Held", sagen ultrarechte Türken aus München. Sie erzählen, wie etwa der Gemüsehändler Habil K., 38, ausgespäht wurde, den die Schüsse aus der Ceska am 29. August 2001 in seinem Geschäft in München-Ramersdorf trafen. Wie Fluchtautos bereitgestellt wurden und der Tatort abgesichert wurde.
SPIEGEL vom 21.02.2011

Da wird auch die Anwesenheit eines deutschen Verfassungsschützers an einem oder mehreren Tatorten plausibel, wenn dessen Dienststelle gegen türkische Organisationen ermittelt hat und dabei Hinweise bekam. Aber der soll ja jetzt auch ein Rechter gewesen sein und war dann wohl aus Sympathie als Zuschauer am Tatort.

Der Schuss ins Gesicht sei das Zeichen der türkischen Nationalisten für den Verlust der Ehre, die immerselbe Waffe eine Warnung an andere gewesen.

Schaut so aus, als müssten unsere Politiker aus politischen Rücksichten die Taten ausländischer Banden jetzt deutschen "Nazis" in die Schuhe schieben, dazu womöglich zwei ermordete V-Leute als Haupttäter und die deutsche Polizei und der Verfassungsschutz als Sympathisanten dieser "Nazis": Als Strafe für ihre Ermittlungen in Richtung fremder Banden und Geheimdienste in Deutschland und zur Abschreckung vor solchen Ermittlungen in Zukunft.

Viele Fahnder der Sonderkommission sind, anders als die Nürnberger Ermittler, davon überzeugt, dass die Spur der Morde in Wirklichkeit in eine düstere Parallelwelt führt, in der eine mächtige Allianz zwischen rechtsnationalen Türken, dem türkischen Geheimdienst und Gangstern den Ton angeben soll. Und sie glauben, dass sie bei ihren Ermittlungen diesem Täterkreis immerhin so nahe gekommen sind, dass die Mordserie nach der Erschießung des Internetcafé-Betreibers Halit Y., 21, in Kassel am 6. April 2006 gestoppt wurde.

Armes Deutschland! Dafür sollten die Abgeordneten im Reichstag gleich noch einmal zu einer Gedenkminute aufstehen.

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