Wer sich daran erinnern konnte, dass Jürgen Elsässer früher für Konkret geschrieben hat und zu den Antideutschen zählte, den wird das Missgeschick von Jürgen Elsässer jetzt nicht wundern. Er hat nämlich ganz naiv die Werbetrommel für ein Jüngelchen gerührt, das zur Zeit auch von den Massenmedien ganz eifrig als großer Sprecher der deutschen Occupy-Demonstranten aufgebaut wird.
Wer sich einigermaßen auskennt im politischen Geschäft, der weiß selbstverständlich, dass man einem Jüngelchen nicht trauen sollte, der in den Massenmedien groß herausgestellt wird.
Aber zuerst zur Jubelarie des Jürgen Elsässer:
Einer davon ist Wolfram Siener. Er war diese Woche bei Maybritt Illner. Der junge Mann hat Occupy Frankfurt organisiert und ist gerade 20 Jahre alt. Er hat ein frisches Gesicht, ist blitzgescheit und trat in der Talkshow so sympathisch und professionell auf, als hätte er noch nie was anderes gemacht. Offensichtlich ein politisches Naturtalent...Organisator von Occupy Frankfurt, der neueste Stern am Polithimmel
Was Jürgen Elsässer da wie ein elfjähriges Mädchen beim Anblick von Justin Bieber aufjauchzen lässt, bleibt jedem ein Rätsel, der das Jüngelchen auf Youtube kurz Revue passieren lässt. Er klingt gut gebrieft und wie auswendig gelernt, also aalglatt mit einem dazu passenden Gesicht.
Auf so einen fällt ein Profi der Politik doch nicht herein. Mich erinnert das Jüngelchen an Joschka Fischer und Daniel Cohn-Bendit, die ja auch sehr früh damit aufgefallen sind und sich bei Eingeweihten verdächtig gemacht hatten, dass sie ohne Probleme mit jedem Unsinn in die Presse, ins Radio und sogar ins Fernsehen kamen. So etwas ist immer ein Hinweis darauf, dass das System seine Gefolgsleute in der oppositionellen Szene aufbaut. Wie inzwischen bei Joschka Fischer und Daniel Cohn-Bendit deutlich geworden ist, war es auch genau so von Anfang an.
Jetzt eine kurze Dokumentation der Jubelarien in den Systemmedien (mehr davon kann jeder mit Google suchen). Alle klingen wie die Elfjährige beim Anblick von Justin Bieber, obwohl der Typ eher ein matschiges Gesicht ohne jeden Reiz hat und noch nicht einmal intelligent wirkt:
In Talkshows brilliert er, bei den Protesten in Frankfurt wird er gefeiert wie ein Popstar: Mit Wolfram Siener hat die Occupy-Bewegung eine charismatische Führungsfigur.Der SPIEGEL
Wolfram Siener ist ein rhetorisches Talent. Er macht die Pausen an der richtigen Stelle. Wenn er überlegt, dann sagt er "nun" und spricht einen Satz, der jeden Journalisten jubeln lässt, weil er Anfang und Ende hat und so griffig ist, dass man ihn zitieren, zerschneiden und wiederholen kann.TAZ
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Sieners wundersamer Aufstieg begann am Donnerstag, mit einem Auftritt bei Maybritt Illner. Es ging um die Schuldenkrise und den Protest gegen Banken. Siener saß im Publikum, erste Reihe, neben dem Deutschlandchef von "Standard & Poors".
Das Jüngelchen darf überall auftreten:
Als man ihm das Wort erteilte, rechnete er ab: mit Ratingagenturen, den Banken, der Politik. Er hämmerte seinen Zeigefinger in die Luft, bei jedem Wort; so energisch, dass man als Zuschauer in Deckung gehen wollte. Es folgte ein Auftritt im Nachtmagazin der ARD, beim Hessischen Rundfunk; Spiegel Online ernannte ihn am Wochenende gar zum Hoffnungsträger der "Generation Occupy".
Wohl eher der Hoffnungsträger jener Kräfte des Systems, die den Protest der zu Recht empörten Bürger für ihre Zwecke instrumentalisieren möchten.
Im Nachtmagazin:
In den ARD-Nachrichten:
Also Jungs und Mädels, das Bürschelchen ist doch verbrannt. Das war viel zu auffällig.
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