Wir haben ja sonst keine ökonomischen Probleme. Da sind die Anhänger des Schwagers des damaligen preußischen Innenministers Ferdinand von Westphalen auf die Idee gekommen, sich mit dem Begriff des "Fetischismus" im "Kapital" von Marx näher zu befassen.
Man muss ja immer wieder einen besonderen Grund finden, warum gerade keine Gelegenheit ist, die Neoliberalen zu bekämpfen. Oder die Bürger über die aktuelle Strategie des Kapitals aufzuklären, mit Hilfe der Finanzbetrugskrise und der europäischen Euro-Krise, die Löhne und Sozialsysteme noch weiter abzubauen.
Nein, also da hat der geschulte Marxist wichtigere Themen, wie eben den Fetisch-Begriff bei Marx:
IV. Marx-Herbstschule – der FetischismusMarx-Herbst-Schule
28. – 30.10. 2011 Berlin
Auf der Einführungsveranstaltung am Freitagabend erläutert Michael Heinrich die Bedeutung und systematische Stellung der Fetischkritik im Marx’schen Werk und Rolf Hecker ordnet den Begriff in die Entstehungsgeschichte des Kapital ein.
Leider ist Berlin für mich zu weit weg. Sonst könnte ich da mal vorbeischauen, um zu sehen, was bei dem Thema "Fetischbegriff" im "Kapital" und bei der sonstigen "Wertformanalyse", die vor allem mit Förderung von Michael Heinrich betrieben wird, für die aktuelle Auseinandersetzung mit Neoliberalismus und Sozialabbau herauskommen soll.
Vielleicht wollen die Marxisten ja die Reichen zur Erkenntnis bringen, dass es sich bei ihrem Reichtum und dem vielen Geld auf ihren Konten nur um einen Fetisch handle. Die Reichen werden das dann mit Hilfe von Marx verstehen und in Zukunft ihren Reichtum mit den Armen teilen.
Warum bin ich da nur noch nicht drauf gekommen?
Auch die Abendveranstaltung am Samstag ist ganz auf Marx’ Fetischkritik ausgerichtet. Auf ihr diskutieren Hendrik Wallat, Kornelia Hafner und Diethard Behrens, welche Bedeutung der Fetischismus in Marx’ Kritik hatte, wie sie in der Kapitalismuskritik nach ’68 erneut aufgenommen wurde und wie sie heute zu gebrauchen wäre.
Am Sonntagmorgen bietet Fritz Fiehler zunächst in einer Extra-AG eine Einführung in Benjamins Passagenwerk und seine Fetischanalyse an, bevor dann Frieder Otto Wolf die Marx-Herbstschule mit einem Vortrag über die Rezeptions- und Wirkungsgeschichte des Marx’schen Fetischbegriffs abschließt.
Vielleicht macht sich der Eine oder Andere doch einmal seine eigenen Gedanken, was es mit dem Schwager des preußischen Innenministers und vom Kapitalismus als genialer Kritiker des Kapitalismus gefeierten Karl Marx so seine Bewandtnis haben könnte.
Für Mathematiker: Berechnen Sie die Wahrscheinlichkeit, (I.) in der Familie eines preußischen Innenministers einen Agenten der Regierung zu finden, der mit Wertformanalyse und Fetischtheorie die Arbeiter verarscht, im Vergleich zu der Wahrscheinlichkeit (II.) in der Familie eines preußischen Innenministers den genialen Kritiker des Kapitalismus zu finden, der mit Wertformanalyse und Fetischtheorie die Arbeiter zur Revolution motiviert.
Weitere Mitwirkende an dem Theater sind:
Hans-Joachim Blank, Valeria Bruschi, Fritz Fiehler, Christian Frings, Thomas Gehrig, Rolf Hecker, Thomas Klauck, Anne-Kathrin Krug, Nadja Rakowitz, Christian Schmidt, Ingo Stützle und Matthias Wiards
Man kann dafür im Kapitalismus sogar Lehraufträge und Lehrstühle an den Universitäten bekommen. Was ist der Kapitalismus doch immer nett zu seinen vorgebliche Gegnern, die brilliant den Fetischbegriff bei Marx analysieren können und so tun, als ob das tiefe Einsichten in den Kapitalismus verschaffen und irgendwelche aktuellen Probleme lösen würde.
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