Mittwoch, 28. Oktober 2009

Wie Marx bei Heinrich Heine abgeschrieben hat:

Aus Heines Schrift über Börne hat Marx seine berüchtigte Äußerung über die Juden abgekupfert, wobei Heine diese Aussage auf die Christen der USA gemünzt hatte. Bei Marx heißt es in seinem Pamphlet gegen Bruno Bauer in den „Deutsch-Französischen Jahrbüchern“:
Welches ist der weltliche Grund des Judentums? Das praktische Bedürfnis, der Eigennutz.
Welches ist der weltliche Kultus des Juden? Der Schacher. Welches ist sein weltlicher Gott? Das Geld.

Bei Heine hieß es im Original in Ludwig Börne – Eine Denkschrift – Zweites Buch:
Dabei machen diese Amerikaner großes Wesen von ihrem Christentum und sind die eifrigsten Kirchengänger. Solche Heuchelei haben sie von den Engländern gelernt, die ihnen übrigens ihre schlechtesten Eigenschaften zurückließen. Der weltliche Nutzen ist ihre eigentliche Religion, und das Geld ist ihr Gott, ihr einziger, allmächtiger Gott.

Samstag, 12. September 2009

Der Regierungsagent Karl Marx als Krisenprophet bei der ZEIT:

Heute habe ich nicht schlecht gestaunt, als ich in der Zeitschriftenhandlung im Bahnhof auf zwei riesigen Stapeln ZEIT-Geschichte gleich am Eingang neben der Kasse den angeblich gefährlichsten und tiefschürfendsten Kritiker des Kapitalismus thronen sah, den von der kapitalistischen Presse so hoch verehrten Karl Marx nämlich, samt Bart, aber ohne Engels.

Da will man uns nun von der ZEIT, diesem Hamburger Propagandablatt des Kapitals und der MI6, das Studium der gesammelten Werke empfehlen, die dicken Wälzer zur Analyse der Wertform, den ganzen Schmarren also.

Der angesagte Autor zur aktuellen Krise, mit der alle kritischen Köpfe ihre Zeit vergeuden sollen, um die Frage zu ergründen, was die Krise mit der „Wertkritik“ und nicht mit dem Finanzkapital zu tun haben soll.

Auch Robert Kurz ist eingeladen worden, sich an dem Machwerk zu beteiligen, dessen Erscheinen er nun stolz auf seiner Homepage verkündet:
Die Publikation enthält auch einen Beitrag des Exit-Redakteurs Robert Kurz: DAS KAPITAL – Warum die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie eine unheimliche Erzählung ist.

exit-online

Nun sind Agentengeschichten immer eine unheimliche Erzählung, aber Robert Kurz meint das sicher ganz anders. Er hält die Wertform für eine unheimlich tolle und spannende Angelegenheit.

Kurz wird uns da natürlich nichts davon erzählen, worum es eigentlich geht. Dass also die Krisen des Kapitalismus in der Vergangenheit immer absichtlich erzeugt wurden, anders als es die Marxisten dann den Arbeitern erzählt haben.

Die Linke soll sich also wieder freuen, über die unvermeidliche Krise des Kapitals, die Wertgesetze studieren, auf die Weltrevolution hoffen und dem Kapital bei Lohn- und Sozialabbau nicht im Wege stehen.

Wie es wirklich war mit den Krisen im Kapitalismus, gibt es hier zu lesen:
Vor etwa 200 Jahren musste die Bank von England eine Absatzkrise erzeugen, um Preise und Löhne nach dem Krieg gegen Napoleon und dem davon ausgelösten Boom wieder zu senken. Das Büchlein beginnt mit dem Trugschluss von Say, wonach es keine Absatzkrisen geben könne, und führt mit dessen Kritik in das makroökonomische Denken und die Methoden der Geldpolitik ein, die mit Absatzkrisen Preise und Löhne senkt. Dies wird mit den wichtigsten, absichtlich verursachten Krisen und deflationären Depressionen der Wirtschaftsgeschichte erläutert. Das seit Say, Mill und Ricardo gelehrte Theorem erweist sich so als ein dreister Humbug der Professoren vor ihren Studenten und als eine gezielte Irreführung des Publikums.


Das Saysche Theorem und die geldpolitische Verursachung von Wirtschaftskrisen

Die Krisen waren also immer ein Mittel der Lohn- und Preissenkung und zu diesem Zweck absichtlich inszeniert. Das darf das Publikum natürlich nicht erfahren, sonst sind die Leute alle sauer und spielen beim Lohn- und Sozialabbau nicht mehr mit.

Das ist also der Grund, warum anlässlich der Finanzkrise der preußische Regierungsagent Karl Marx in der kapitalistischen Presse wieder auf ein Podest gehoben wird und warum der Robert Kurz, der die Beschäftigung mit der Geldpolitik zum strukturellen Antisemidingsbums erklärt hat, bei der Gelegenheit mal wieder einen Lohn erhält.

Der preußische Regierungsagent Karl Marx

Das ist leider erst eine Internet-Rohfassung, das Buch ist noch in Arbeit.

Also Leute: Ihr sollt die Wertform analysieren. Wenn die Kapitalisten in ihrer Presse den gefährlichen Denker Karl Marx zur Krisenanalyse empfehlen, dann haben die sich schon etwas dabei gedacht.

Sonntag, 30. August 2009

Das Sparparadoxon:

Der britische Bürgerrechtler John Mackinnon Robertson hatte schon 1892 in seinem Buch „The Fallacy of Saving“ (Der Trugschluss des Sparens) als Anhänger der Unterkonsumtheorie das ewige Lobeslied der Ökonomen auf die Sparsamkeit systematisch widerlegt.

Das Paradoxon des Sparens besteht darin, dass der Einzelne zwar durch das Sparen sein Vermögen steigern kann, weil er nur seinen Konsum dabei einschränkt, seine Einnahmen – die Ausgaben anderer Haushalte - davon aber unbeeinflusst bleiben. Sobald jedoch sämtliche Haushalte einer Ökonomie ihren Konsum einschränken, um durch das Sparen ihr Vermögen zu steigern, passiert genau das Paradoxe:

Einkommen und Ersparnisse sinken durch das vermeintliche Sparen!

Die Begründung ist leicht verständlich, denn die sinkende Nachfrage nach Konsumgütern führt zu sinkender Produktion und sinkenden Investitionen. Dadurch gehen die Einkommen der Haushalte zurück und anstatt wie erwartet durch das Sparen einen Überschuss ihrer Einkommen über die Ausgaben zu erreichen, sind nur die Einnahmen weniger geworden. Wenn alle für 100 Geldstücke weniger konsumieren, dann fallen die Einkommen um 100 Geldstücke pro Kopf, zusätzlich werden die Unternehmer noch die Investitionen in die Produktion von Konsumgütern senken, so dass die Einkommen der Haushalte noch weiter zurück gehen. Statt etwas gespart zu haben, müssen sie sich vielleicht noch verschulden.

Das Sparparadoxon nicht verstehen zu können und an das Saysche Theorem zu glauben, wonach es keinen Mangel an Güternachfrage geben könne, weil in einer Ökonomie genau im Umfang der Produktion Einkommen entsteht, reichte für einen Ökonomen nicht, um wegen erwiesenem Schwachsinn das Attest für eine geeignete Anstalt zu erhalten, sondern war die Empfehlung für einen Lehrstuhl in Harvard oder an der von Rockefeller gestifteten Universität von Chicago oder an der LSE in London. Viel hat sich daran bis heute nicht geändert.

Donnerstag, 23. Juli 2009

Keynes 1925 (Übersetzung von mir)

Wird natürlich sonst nirgendwo zitiert, obwohl es sich um die wichtigste Stelle bei Keynes handeln dürfte:

Deflation senkt die Löhne nicht „automatisch“. Sie senkt sie durch die Verursachung von Arbeitslosigkeit. Die eigentliche Aufgabe von knappem Geld ist es, einen beginnenden Boom zu hemmen. Wehe denen, die sich durch ihre Überzeugung dazu verleiten lassen, es zur Verschärfung einer Depression zu benutzen.


Deflation does not reduce wages "automatically". It reduces them by causing unemployment. The proper object of dear money is to check an incipient boom. Woe to those whose faith leads them to use it to aggravate a depression!

(Keynes, “The Economic Consequences of Mr. Churchill” (1925), Essays in Persuasion, London 1963, S. 259)

Donnerstag, 9. Juli 2009

Warum die Große Depression so schrecklich wurde:

Der englische Ökonom R. G. Hawtrey hat es bereits in seinem Buch "Trade Depression and the Way Out" aus dem Jahr 1933 völlig zutreffend erklärt. Die Weltwirtschaftskrise wurde durch restriktive Geldpolitik ausgelöst (erzwungen mit dem Goldstandard), obwohl es in den Jahren 1925-29 keine Inflation gegeben hatte. In den USA und England waren die Preise von 1925 bis 1929 gefallen, vor allem England befand sich, weil es mit einem zu hohen Pfundkurs ans Gold gebunden worden war, seit 1925 in einer Rezession.

If we seek an explanation of the unparalleled severity of the depression, we shall find it primarily in the fact, that the credit restriction of 1928-29 was imposed at a time when there was no inflation to be corrected. Equally drastic credit restrictions had been imposed on the world on various occasions in the past, but only at times when credit expansion had been gaining impetus for years, and was threatening to get out of hand, as in 1906-7, in 1872-73, in 1856-57, and, most conspicuously of all, in 1920.

Hawtrey, "Trade Depression", London 1933, S. 34

Hawtrey wird heute unterdrückt und ist fast unbekannt. Kein Wunder, da er so frei über die Verursachung der Krisen mit restriktiver Geldpolitik geschrieben hat. Das können unsere Professoren mit ihren albernen Modellen heute nicht mehr brauchen.

Freitag, 12. Juni 2009

Keynes über sogenannte Ökonomen:

Banks and Bankers are by nature blind. They have not seen, what was coming. Some of them have even welcomed the fall of prices towards what, in their innocence, they have deemed the just and "natural" and inevitable level of pre-war, that is to say, to the level of prices to which their minds became accustomed in their formative years. In the United States some of them employ so-called "economists" who tell us even to-day that our troubles are due to the fact that the prices of some commodities and some services have not yet fallen enough, regardless of what should be the obvious fact that their cure, if it could be realised, would be a menace to the solvency of their institution.


John Maynard Keynes, "Essays in Persuasion",London 1963, S. 176: "The consequences to the Banks of the Collapse of Money Values" (Aug. 1931)

Da haben Bankiers aus den USA sogenannte Wirtschaftswissenschaftler dafür bezahlt, einen immer weiteren Fall der Preise auf das Niveau vor dem Ersten Weltkrieg zu fordern und die enormen Probleme der Wirtschaft damit zu erklären, dass viele Preise für Waren und Dienstleistungen noch nicht weit genug gefallen seien.

Keynes durfte das nicht deutlicher schreiben und er schränkt seine Aussage gleich zu beginn damit ein, dass er die Bankiers für beschränkt hält und zum Schluss sich den Irrsinn damit erklärt, dass die halt die Preise aus ihren Jugendjahren im Kopf hätten und dieses Preisniveau wieder herstellen wollten.

Diese Bankiers waren aber nicht irrsinnig. Sie haben die Deflationspolitik bewusst mit dem Mechanismus des Goldstandards in Gang gesetzt, sie haben die Krise geplant und für ihre Zwecke durchgesetzt. Der Zusammenbruch der Farmer in den USA und der vielen kleinen, lokalen Banken war von den für die Krise verantwortlichen Großbanken erwünscht und eines der Ziele der Weltwirtschaftskrise.

Die Weltwirtschaftskrise war kein Irrtum und kein Versehen und noch die vielen Wirtschaftswissenschaftler und Journalisten, von denen die Deflationspolitik unterstützt und bejubelt wurde, waren von den Bankiers gut dafür bezahlt worden.

Keynes sah das sicher nicht anders, aber er durfte es nicht deutlicher schreiben. Also musste er die Bankiers zu unschuldigen Trotteln erklären.

Der Saysche Trugschluss und seine Scheinlogik

Das Saysche Theorem ist ein Sophismus, wie im alten Griechenland ein mit den Mitteln einer Scheinlogik bewusst herbeigeführter Trugschluss bezeichnet wurde.

Dabei werden die Betrachtungsebenen gewechselt, ohne das Publikum darüber aufzuklären. Man beginnt mit dem Sparen in der mikroökonomischen Sichtweise, um plötzlich damit eine makroökonomische Schlussfolgerung zu begründen.

Das Sparen eines Einzelnen besteht in der Einschränkung seines Konsums, wobei ein Überschuss des Einkommens dieses Einzelnen über seine Konsumausgaben entsteht. Unter der in der Ökonomie üblichen „ceteris paribus“-Bedingung, dass also außer der Einschränkung des Konsums durch diesen Einzelnen alles andere unverändert bleibt, kann dies ja auch gar nicht anders sein. Die Ersparnis entsteht durch Konsumeinschränkung sozusagen „per definitionem“ auf der mikroökonomischen Ebene.

Der Saysche Trug ist aber eine Behauptung, die sich auf die Makroökonomie bezieht. Wie sieht es da nun aus, wenn nicht ein Einzelner, sondern alle oder jedenfalls die Mehrheit zu „sparen“ beginnen, also ihre Konsumausgaben einschränken?

Durch das „Sparen“ sinkt die Nachfrage nach Konsumgütern, es wird weniger produziert und deshalb sinken die Einkommen in dieser Ökonomie. Weil die Nachfrage nach Konsumgütern zurückgegangen ist, werden die Unternehmer nicht nur die Produktion einschränken und weniger Arbeiter beschäftigen, sie werden auch ihre Investitionen reduzieren.

In einer Ökonomie wird auf makroökonomischer Ebene die Höhe der Ersparnis durch die Höhe der Investitionen bestimmt, nicht umgekehrt. Wenn also durch das „Sparen“ der Einzelhaushalte die Nachfrage nach Konsumgütern sinkt, gehen die Investitionen zurück und damit sinkt die Gesamtersparnis in der Ökonomie.

Das „Sparen“ führt also bei makroökonomischer Betrachtung zu sinkenden Einkommen und niedrigeren Ersparnissen. Je mehr „gespart“ wird, desto schlimmer, die Ökonomie „spart“ sich also immer tiefer in eine Rezession.

Wie dieser Sachverhalt durch die Anhänger und Propagandisten des Sayschen Trugs gezielt verdreht wurde, können Sie, lieber Leser, jetzt klar erkennen.

Man hat also auf der mikroökonomischen Ebene behauptet, dass "Sparen" zu höheren Ersparnissen führe. Diese Ersparnisse würden nun von den Banken an Investoren verliehen und führten damit zu höheren Investitionen.

Das ist aber nur in der mikroökonomischen Betrachtung richtig, was ein Ökonom ganz sicher weiß. Ökonomen irren sich nicht mit dem Sayschen Theorem, sondern sie führen ihre Studenten und das Publikum damit hinters Licht.