Heute habe ich nicht schlecht gestaunt, als ich in der Zeitschriftenhandlung im Bahnhof auf zwei riesigen Stapeln ZEIT-Geschichte gleich am Eingang neben der Kasse den angeblich gefährlichsten und tiefschürfendsten Kritiker des Kapitalismus thronen sah, den von der kapitalistischen Presse so hoch verehrten Karl Marx nämlich, samt Bart, aber ohne Engels.
Da will man uns nun von der ZEIT, diesem Hamburger Propagandablatt des Kapitals und der MI6, das Studium der gesammelten Werke empfehlen, die dicken Wälzer zur Analyse der Wertform, den ganzen Schmarren also.
Der angesagte Autor zur aktuellen Krise, mit der alle kritischen Köpfe ihre Zeit vergeuden sollen, um die Frage zu ergründen, was die Krise mit der „Wertkritik“ und nicht mit dem Finanzkapital zu tun haben soll.
Auch Robert Kurz ist eingeladen worden, sich an dem Machwerk zu beteiligen, dessen Erscheinen er nun stolz auf seiner Homepage verkündet:
Die Publikation enthält auch einen Beitrag des Exit-Redakteurs Robert Kurz: DAS KAPITAL – Warum die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie eine unheimliche Erzählung ist.
exit-onlineNun sind Agentengeschichten immer eine unheimliche Erzählung, aber Robert Kurz meint das sicher ganz anders. Er hält die Wertform für eine unheimlich tolle und spannende Angelegenheit.
Kurz wird uns da natürlich nichts davon erzählen, worum es eigentlich geht. Dass also die Krisen des Kapitalismus in der Vergangenheit immer absichtlich erzeugt wurden, anders als es die Marxisten dann den Arbeitern erzählt haben.
Die Linke soll sich also wieder freuen, über die unvermeidliche Krise des Kapitals, die Wertgesetze studieren, auf die Weltrevolution hoffen und dem Kapital bei Lohn- und Sozialabbau nicht im Wege stehen.
Wie es wirklich war mit den Krisen im Kapitalismus, gibt es hier zu lesen:
Vor etwa 200 Jahren musste die Bank von England eine Absatzkrise erzeugen, um Preise und Löhne nach dem Krieg gegen Napoleon und dem davon ausgelösten Boom wieder zu senken. Das Büchlein beginnt mit dem Trugschluss von Say, wonach es keine Absatzkrisen geben könne, und führt mit dessen Kritik in das makroökonomische Denken und die Methoden der Geldpolitik ein, die mit Absatzkrisen Preise und Löhne senkt. Dies wird mit den wichtigsten, absichtlich verursachten Krisen und deflationären Depressionen der Wirtschaftsgeschichte erläutert. Das seit Say, Mill und Ricardo gelehrte Theorem erweist sich so als ein dreister Humbug der Professoren vor ihren Studenten und als eine gezielte Irreführung des Publikums.
Das Saysche Theorem und die geldpolitische Verursachung von WirtschaftskrisenDie Krisen waren also immer ein Mittel der Lohn- und Preissenkung und zu diesem Zweck absichtlich inszeniert. Das darf das Publikum natürlich nicht erfahren, sonst sind die Leute alle sauer und spielen beim Lohn- und Sozialabbau nicht mehr mit.
Das ist also der Grund, warum anlässlich der Finanzkrise der preußische Regierungsagent Karl Marx in der kapitalistischen Presse wieder auf ein Podest gehoben wird und warum der Robert Kurz, der die Beschäftigung mit der Geldpolitik zum strukturellen Antisemidingsbums erklärt hat, bei der Gelegenheit mal wieder einen Lohn erhält.
Der preußische Regierungsagent Karl MarxDas ist leider erst eine Internet-Rohfassung, das Buch ist noch in Arbeit.
Also Leute: Ihr sollt die Wertform analysieren. Wenn die Kapitalisten in ihrer Presse den gefährlichen Denker Karl Marx zur Krisenanalyse empfehlen, dann haben die sich schon etwas dabei gedacht.